Konzertbeschreibung

Kultrekorder + Strommasten + Aalgorhythmus

Bild 20:00h: Aalgorhythmus
So wie sich Aale schlängeln und winden, ist dies auch in der Musik erkennbar. Es gab personelle Wechsel und es entstand im Jahr 2019 ein neuer Name mit neuer Besetzung: Zwei Bratgitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang.
Von leichten Strömungen bis zu Strudeln ist nun alles enthalten, was einem so im Fluss des Lebens begegnen kann.
Aale sind eingeladen auf Spotify und Live sich ein eigenes Bild zu machen, denn ab 2020 wird wieder in See gestochen!

21:00 Strommasten
Es gibt viele davon: von Menschen geschaffene Bauwerke, die Alltägliches sicherstellen, aber selten ins Auge fallen. Freileitungsmasten, umgangssprachlich Strommasten genannt, sind eine dieser Konstruktionen. Als stählerne Pfeiler in der Landschaft verstreut werden sie kaum zur Kenntnis genommen. Dabei spielen sie bei der Stromversorgung von rund 40,4
Millionen deutscher Haushalte in Deutschland eine grundlegende Rolle bei der Verteilung und Führung von Oberleitungen.
Diese Konzeption einer so gut wie nie wahrgenommenen Wichtigkeit im Beständigen stand Pate bei der Namensgebung der Band Strommasten aus dem Ruhrgebiet, welches bekanntermaßen eine Hochburg besagter Stahlgestellriesen ist.
Die vier Jungs schlossen sich im Jahre 2014 zusammen, um Rockmusik mit Popflair zu spielen und dabei auf altmodische Weise Modernität zu zelebrieren. Sie suchen nach den Nahtstellen musikalischer Popkultur, trennen diese sorgfältig auf, um sich verschiedenster Versatzstücke zu bedienen und ihren eigenen musikalischen Flickenteppich zu weben.
Strommasten beobachten, nicken oder schütteln frappiert mit dem Kopf, schreiben und schnallen sich Instrumente um. Galant tingeln sie zwischen dem sterilen, kantigen Elektropop der 80er und überdrehtem Poprock der 2010er, scheuen keine Grenzüberschreitungen in punkrockige Gefilde und denken erst gar nicht daran sich stilistisch allzu sehr treu zu bleiben.
Textlich legen Strommasten den erhobenen Mittelfinger in die Wunden der Gesellschaft und salzen noch ein wenig nach.
Sie begeben sich ganz nahe an die Kante manch sozialen Abgrunds und schmeißen mit Steinchen. Auf mich, auf dich und auf sich gegenseitig. Manchmal passen sie dabei sogar auf, dass aus dem Spaß nicht bitterer Ernst wird. Zumindest behaupten sie das.
Was Strommasten in ihren Texten auf satirische Art und Weise verpacken, ist eingängig bis tanzbar: Sei es die allgegenwärtige Koch“kultur“, die in „Diskjockey am Herd“ aufs Korn genommen wird oder die Erkenntnis, dass Anderssein letzten Endes genauso durchschnittlich ist wie alles Andere auch („Der Durchschnitt“); ein ernstgemeintes Augenzwinkern inklusive. Doch das Zwinkern könnte auch nur einer leichten Verschrobenheit geschuldetes, nervöses Augenzucken sein.
Auf der neuen EP Draußen nur Kännchen (VÖ 01.07.2019) setzt die Single „Weltschmerz“ neue Maßstäbe in Punkto Songwriting und textlicher Treffsicherheit. Auch die restlichen 5 Songs demonstrieren, dass Rockmusik neben dem Tellerrand am interessantesten sein kann. Kritik und Selbstironie geben sich ein High Five nach dem anderen und wissen nach rund 21min selbst nicht mehr, ob sie nun unabhängig oder schon längst miteinander verschmolzen sind.

22:00h Kultrekorder:
KULTREKORDER aus dem Herzen des Ruhrgebiets machen deutschsprachigen Funk-Pop. Mit Synthies, Gitarren, Grooves und jeder Menge Harmonie. Die Musik ist lebhaft, positiv, sie geht nach vorne.
Die Texte von Sänger Marvin runden den Eindruck ab: Was uns beschäftigt und umtreibt, sollte uns nicht in die Verzweiflung stürzen, sondern bewegen und ermutigen.
Es ist nicht alles gut, aber vieles! Das Traumszenario?
Ein kleiner Club oder ein Festival. Verschwitzte Menschen, vielleicht 100, vielleicht 1.000, vielleicht 10.000 an der Zahl, wer weiß das schon. Alle bewegen sich, sind
ausgelassen, haben gute Laune.
Was da von der Bühne kommt, bahnt sich direkt seinen Weg zu dem Zentrum im Kopf der Menschen, das ihnen befiehlt: „Tanze! Denke nicht!“
Der Abend ist vorbei, die Menschen gehen heim und fragen sich: „Was war das?“
Die Antwort lautet: „Gut!“